Lieber Bürgermeister! Liebe Gemeinderätinnen und Gemeinderäte!

Die pure Verzweiflung und Angst vor der Verwirklichung des Schaber Projektes hier in Wald zwingt mich, euch jedem und jeder einzeln zu schreiben.

Ich lebe seit 2001 in Obsteig. Ob im Chor oder Pfarrgemeinderat und jetzt Kirchenrat, ich habe stets versucht mich für mein Dorf einzubringen. Ich bin von bäuerlicher Herkunft, beide Großeltern hatten einen Bauernhof, in Rietz und Leiblfing. Ich weiß sehr wohl um den wirtschaftlichen Druck auf die Landwirtschaft. Mein nachbarschaftliches Verhältnis mit den Bauern ist ein sehr gutes. Wenn Schwierigkeiten auftreten, redet man sich das aus und lässt einander leben. Letztlich will niemand dem anderen schaden und wünscht ihm Gutes.

Dass sich jetzt Bauern für Alexander Schaber einsetzen, der sich vor laufender Kamera als Hobby-Bauer bezeichnet, nicht mal selbst im Weiler wohnt, wo er als „Hobby-Bauer“ sein Großprojekt durchziehen möchte, ist mir unverständlich. Dieses Großprojekt soll in weniger als 50 Meter Abstand neben einem ansässigen Bauern entstehen. Wer auf die Aufnahmen mit den lieben Piepelen reinfällt, ist selber schuld. Wir kennen andere Bilder und viele von euch auch, denn nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen haben Fotos vom Zustand der Container-Hennen an den Bürgermeister geschickt. Ich würde mich nicht für Lehrerkollegen einsetzen, deren Verhalten als rücksichtslos gelten darf und die meinem Berufsstand einen schlechten Namen geben, sondern die Lehrer, die jahrzehntelang ordentlich ihre Arbeit verrichtet haben und ihrem Berufsstand Ehre machen.

Die Erfahrungen dieses Weilers mit Alexander Schaber sind sehr schlecht. Wir haben es nur dem Zivilverfahren mit vier seiner Nachbarn, das noch im Laufen ist, zu verdanken, dass momentan annehmbare Zustände herrschen. Eine Abordnung aus Wald ist mit ihm ganz am Anfang sogar nach Haiming zum Hühnerbauer Kopp gefahren, um seine Zukunftsvisionen zu verstehen. Diese Aktion erwies sich gänzlich negativ für Alexander, denn Kopp schüttelte nur den Kopf und sagte zum Schluss, dass sich Schaber Alexander nichts sagen lässt und es so niemals funktionieren könnte, was es im Endeffekt auch nicht tat, denn seine Legehühner gehören nunmehr der Vergangenheit an. Von diesen Containerzuständen gibt es ausreichend Bild- und Audiomaterial. Jede Bitte um Rücksicht auf Tier und Mensch wurde von Alexander mit Drohungen und Racheakten beantwortet, die hinlänglich bekannt sind (dreckiger Container und Schweine direkt vor dem Wohnzimmer der Nachbarn, zwei Hähne, da der Lärm eines einzelnen nicht genug Ärger bereiten würde, Miststreuungen mit besonders frischen Ladungen, Perlhühner etc.). Die Perlhühner, deren ständiges Geschrei man bis in den Grünberg hinauf und zur schönen Aussicht hörte, setzten dem Ganzen noch die Krone auf. Der Gestank war schier unerträglich und breitete sich wie eine Glocke über den ganzen Weiler aus.

Puten sind mir nur zu gut vertraut. Die großen Vögel stehen, was Lärm und Gestank betrifft, ihren Artgenossen um nichts nach, im Gegenteil. Als Kind kannte ich sie, weil jemand Truthähne, sprich Puten, im Wald zwischen Leiblfing und Dirschenbach hielt und selbst dort weit weg vom Ort verursachten sie viel Unmut und verschwanden mit der Zeit wegen der ständigen Klagen. In England existieren riesige Truthahnfarmen – jedoch weit weg von jeder Zivilisation.

Es gibt auch in Obsteig andere Standortmöglichkeiten mit direkter Zufahrt von der Bundesstraße, wo der entstehende Transportverkehr nicht das halbe Dorf belastet und der Abstand zum nächsten Nachbarn größer ist.

Ein Geflügelhof, wie Alexander ihn mitten im Landschaftsschutzgebiet und in unmittelbarer Nähe unseres Weilers plant, ist weder ortsüblich noch den Bewohnern zumutbar. Die von diesem Projekt am meisten betroffene Familie Schweigl muss damit rechnen, dass ihre bäuerliche Liegenschaft und ihr Einkommen dadurch erheblichen Schaden erleiden werden. Sie und andere im Weiler verlieren ihr Nebeneinkommen mit Ferienwohnungen. Zudem würde dann Schaber an zwei Standorten in Wald Geflügel halten und der Gestank und Lärm würde sich ununterbrochen von zwei Windrichtungen über den Ort ausbreiten.

Dieser wunderschöne Fleck Natur gehört nicht nur zu Wald, sondern zu ganz Obsteig. Er liegt direkt am Sonnenplateau-Rundwanderweg, der von der Burg Klamm zur schönen Aussicht und Mötz führt. Der Erholungswert, der für alle von diesen Wiesen mit der begnadeten Aussicht ausgeht, wird von unzähligen Menschen geschätzt und genossen. Eine Zerstörung dieses wunderbaren Plateaus käme der Zerstörung der Feldringer Böden gleich. Hier handelt es sich zudem um die Interessen eines Einzelnen gegen die eines ganzen Weilers.

Ich bitte euch, bei eurer Entscheidung an die Bevölkerung in Wald, insbesondere auch die dort ansässigen Bauern, den sozialen Frieden im ganzen Dorf Obsteig und an die Schönheit dieses Ortes, die ihn zu einem beliebten Wohnort und Ausflugziel machen, zu denken, und Schaber bei der Suche nach einem alternativen Standort zu helfen. Denn er hat Alternativen, wir nicht. Wir können nicht einfach alle wegziehen.

In der Hoffnung auf euer offenes Ohr und lieben Grüßen

Isolde Woolley

Wald 6 | 6416 Obsteig | 23. November 2020