Ein Jungunternehmer möchte eine Hühnerfarm und ich, so wie unzählige andere, die von diesem Unternehmen betroffen sein werden, möchten den Bau verhindern. Um einmal ein paar Dinge vorwegzunehmen, mit denen der Umwidmungsbewerber gerne kontert: Es geht nicht darum einem jungen Menschen das Geschäft zu verderben. Genauso wenig hat dieser Protest damit zu tun, dass man sich vor der Realität vom Leben am Land verschließen möchte. Landwirtschaft ist wichtig, Landwirtschaft ist ein Kernbestandteil des ländlichen Lebens in Österreich. Genauso ist es in Obsteig. Beim vorgeschlagenen Projekt handelt es sich aber nicht um einen gewöhnlichen Bauernhof, dies muss vehement betont werden. Es handelt sich um eine Massentierhaltung, welche Wald, und ich würde wagen zu behaupten Obsteig, noch nie gesehen hat.

Meine Argumentation gegen dieses monströse Bauprojekt beruht auf drei Kernsäulen, die es zu schützen gilt: den sozialen Frieden, den verantwortlichen Umgang mit unserer Umwelt und den Respekt für das Leben anderer. Wald ist ein friedlicher Ort, es herrscht eine enge Gemeinschaft, in der Nachbarn für einander einstehen; eine Gemeinschaft in der sich der Geflügelbauer nie versucht hat einzuleben, um eine positive und konstruktive Rolle zu spielen und den Dialog zu finden. Er hat sich nie darum gekümmert, eine wohlwollende Gesprächsbasis zu etablieren.

Die Art wie diese Farm ins Leben gerufen wurde, war ganz die falsche, es ging dem jungen Unternehmer nicht um Konsens, Kompromiss oder Solidarität gegenüber anderen, sondern nur um seinen Willen, der trotz aller Sorge und Einwände seiner Nachbarn durchgesetzt werden musste.  Dieser Unmut, den er mit seiner offensiven Art und seinem rücksichtslosen Verhalten von allen Seiten auf sich gezogen hat, wird immer bestehen bleiben. Das schadet nicht nur dem Zusammenleben, sondern wird auch dafür sorgen, dass all seine weiteren betrieblichen Entscheidungen und Pläne auf Missmut und Abweisung stoßen werden. Auf Dorf-Ebene wird sich dies natürlich auch auswirken.

Wenn es diesem Geflügelbauer nämlich wirklich um die Hühner ginge, dann würde er sich nicht für ein Massentierhaltungsprojekt einsetzen. Es wird bestimmt dafür gesorgt werden, dass die „Bio“-Etikette auf den Produkten platziert ist. Aber wir müssen ja nicht verheimlichen, dass nur weil „Bio“ oben steht, der Inhalt oft wenig mit biologischem Anbau oder Nachhaltigkeit zu tun hat. Wahre Landwirte und insbesondere Bio-Landwirte stehen auch für die Umwelt ein, nicht nur für den Gewinn. Der Jungunternehmer ist kein wahrer Landwirt. Wir kennen die Studien, die Nachrichten und die harte Tatsache, dass es um unsere Umwelt und um unser Klima nicht gut steht. Vor allem jetzt ist Vorsicht im Umgang mit der fragilen Natur um uns gefragt. Dafür müssen wir alle einstehen, als Einzelpersonen und auch in unseren verschiedenen Funktionen, als Gemeinderäte und Landwirte.

 

Der Bau eines solchen Projekts wird für verstärkten Verkehr, Lärm und Gestank  in einem sehr kleinen Weiler sorgen. Es besteht weder die ausreichende Infrastruktur, noch die Kapazität für den Bau oder den Betrieb eines solchen Unternehmens. Der Fleck, den sich der Umwidmungsbewerber für sein kontroverses Unternehmen ausgesucht hat, ist schlicht und einfach nicht dafür geeignet, weder aus der Perspektive der Raumplanung noch aus Sicht der Umwelt.

Es gilt aber nicht nur höchster Respekt der Natur, sondern auch unseren Mitmenschen. Nur zu oft hört man in Gesprächen rund um die umstrittene Hühnerfarm die faule und von Egoismus triefende Devise „Sein Land, seine Entscheidung“. So funktioniert aber kein respektvoller Umgang mit anderen.  Haben wir nicht gelernt, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Die Freiheit des Hühnermeisters endet dort, wo das Leben seiner Nachbarn beeinträchtigt wird. Der Bau und die Inbetriebnahme des Geflügel-Schandflecks werden die Lebensqualität aller Bewohner Walds zu tiefst beeinträchtigen. Es beginnt beim Lärm, geht über den Gestank bis zur infrastrukturellen Belastung. Kleinliches Verhalten kann einem nicht vorgehalten werden, angesichts der Tatsache, dass Gäste ausbleiben und die Gesundheit aller im Weiler, egal welchen Alters,  gefährdet sein wird. Den Jungunternehmer betrifft das alles nicht, denn er selbst wohnt nicht einmal im Weiler Wald.

 

 

Wenn es darum ginge diese monströse Geflügelfabrik vor Ihrer Haustüre zu bauen, wie würden Sie wählen? Nun sind nämlich das Einfühlvermögen und die Weitsicht des Gemeinderates gefragt, denn ihre Entscheidung wird Generationen betreffen. 

Autorin © Eine junge Walderin