Was hat Hühnermast mit traditioneller und bodenständiger Landwirtschaft zu tun? Genau diese Frage werden sich einige, wenn nicht sogar alle Bewohner im Weiler Wald in letzter Zeit stellen. Aufgrund der derzeit sehr hitzig diskutierten Hühnerstallerrichtung in unserer Gemeinde, möchte ich einige Gedankengänge meinerseits teilen.

Beginnen wir mit dem Punkt der Emissionen. Jede Person, die auf dem Land aufgewachsen ist, wird wissen, dass eine große Zahl an Hühnern weder leise noch hygienisch ist. Natürlich gibt es in Zeiten der Digitalisierung und Automatisierung verschiedenste Innovationen, die den Lärm und den Gestank eines Geflügelstalles vermindern. Hier liegt der Fokus jedoch auf dem Wort vermindern, da die Emissionen nicht gänzlich verhindert werden können und somit Anrainer immer etwas davon zu spüren bekommen werden. In der Nähe des Hühnerstalles wird sich dann weder der 90-jährige Herr die Füße vertreten, noch wird die junge Mutter mit zwei kleinen Kindern einen Spaziergang machen, nur um sich Ohren, Nase und am besten noch Augen zuhalten zu müssen.

Weiters stellt sich die Frage, was mit dem Kot der Tiere passiert. Hier gibt es einige Vorschriften bzw. Richtlinien, wie beispielsweise den Nähr- und Stickstoffgehalt und die Menge an Phosphat und Kalium im Kot, die einzuhalten sind. Laut meiner Recherche ist deshalb, eine gewissenhafte und genaue Arbeit mit den Hühnern, deren Futter und Abfallprodukte, sowie deren Schlachtung essenziell. Ansonsten ist wortwörtlich alles Mist.

Als stolzes Bauernkind und sehr naturbewusster und naturnaher Mensch bin ich den würzigen Duft der Landwirtschaft gewohnt und möchte ihn auch nicht missen. Hühnermist ist allerdings eine komplett andere Belastung, sowohl für die Nase als auch für die Gesundheit. Erst im Oktober dieses Jahres durften einige Anrainer des Hofes Zeuge davon werden, wie die Ausbringung des Hühnermists erfolgte. Hier wurde das Feld bis über die Grenze hinaus, der benachbarte Weg und ein Teil des nahegelegenen Ackers, der sich im Besitz eines anderen Bauern befindet, gedüngt. Anzumerken ist außerdem: Mist heißt ja nicht umsonst Mist, in diesem Fall war allerdings der Kot mit Hühnerfedern gespickt, wie die Oberfläche eines Federkissens, das seine Federn verliert.

Einige werden nun behaupten, dass das eigensinnige und etwas dümmliche Bauernvolk wieder einmal viel zu intolerant und unmodern ist und einem jungen Menschen, mit einer Ablehnung dieses Vorhabens, die Zukunft verbaut wird. Hier soll gesagt sein: Keiner möchte hier dem anderen Schaden zufügen. Allerdings hat ein Hühnermastbetrieb wenig mit der traditionellen Landwirtschaft zu tun. Im Besitz des Jungbauern befinden sich einige Wiesen, die von ihm nicht bewirtschaftet, sondern nur verpachtet werden. Würde ein Laufstall gebaut werden, mit dem Ziel Milchwirtschaft oder Mutterkuhhaltung zu betreiben, würde die Situation vermutlich ganz anders aussehen und auf wenig bzw. auf gar keine Kritik stoßen. Natürlich bringt die Milch nicht so viel Gewinn, dass man mit zwei Audis 😉 durch die Gegend fahren kann, denn sind wir ehrlich, im Endeffekt geht es auch um den Einkommensaspekt, der beim Geflügel vielversprechender zu sein scheint.

Zum Abschluss kann nur gesagt werden, dass den Interessen und Vorhaben dieses Jungunternehmers hoffentlich mit der Wahl eines anderen Standortes entgegengekommen werden kann.

 

                                                                                                                                                                                                                                                              Autorin © baes